Glücklicherweise gibt es inzwischen einige schöne Kinderbücher und Erwachsenenliteratur, die einen zeitgemäßen Traueransatz verfolgen, diversen Charakter haben und Raum für Assoziation
und Interpretation lassen. Trotzdem ist es nicht einfach, das Passende für die eigene Situation herauszupicken. Gerade im Bereich Sterben, Tod und Trauer empfehle ich, die Bücher erst
einmal selbst anzuschauen, bevor wir sie unseren Kindern vorlesen. Ich habe schon erlebt, dass Kinderbücher das Kind nicht trösten oder ermutigen, sondern irritieren oder triggern - je nachdem,
was das Kind selbst erlebt oder eben (noch) nicht erlebt hat.
Die Medien, die ich im Folgenden vorstelle, finde ich persönlich sehr gelungen, dennoch möchte ich Euch bitten, sie nicht ohne vorherige Sichtung vorzulesen oder zu verschenken.
Allgemeines zum Tod / Tod der Großeltern
für Kinder ab ca. 3 Jahre:
-
Olivier Tallec: Ist Amsel tot? Es ist eine anspruchsvolle Aufgabe, ein Kinderbuch über den Tod nicht mit Informationen zu überfrachten, aber auch nicht ins Belanglose abzudriften.
In diesem Buch ist der Spagat gelungen. Mit Respekt vor dem Thema, gelegentlichem Witz und kindgerechter Leichtigkeit gelingt es dem Autor, eine ermutigende Tiergeschichte zu erzählen,
die die Kinder auf ihre Lebenswelt übertragen können.
-
Britta Sabbag und Maite Kelly: Die kleine Hummel Bommel nimmt Abschied Niedlich illustriertes Buch der beliebten Kinderbuch-Reihe von Hummel Bommel. Wenn Kinder mit den
Figuren bereits vertraut sind, fällt die Identifikation mit dem Thema leichter. Am Beispiel der sterbenden Oma werden auch kleine Kinder behutsam an das Thema Tod
herangeführt und bekommen einen Eindruck, wie facettenreich und liebevoll Trauer gelebt werden kann.
-
Benji Davies: Opas Insel Allein die wunderschöne Illustration zieht einen in den Bann, und dazu dann diese fast magische
Geschichte über ein liebevolles Opa-Enkel-Verhältnis, das über den Tod (des Opas) hinausgeht. Beeindruckend an dem kompakten Bilderbuch ist, dass der Tod als Reise und fast schon
paradiesischer Ort beschrieben wird, wohin der Opa sich (aus freien Stücken?) begibt. Er ermöglicht seinem Enkel Einblick in seine (Gefühls-)Welt, was viel Raum zur Interpretation lässt.
Ist der Opa vielleicht dement? Geht es um begleiteten Suizid? Oder ist alles nur ein Traum?
für Kinder ab ca. 4 Jahre:
-
Patricia Mennen: Wieso? Weshalb? Warum?, Band 42 - Abschied, Tod und Trauer Detailreiches und anschauliches Buch mit vielen (Klapp-) Bildern. Die Thematik wird am Beispiel
der kranken und sterbenden Oma erklärt, was das realistische Erleben von vielen Kindern darstellt. Dazu werden typische Kinderfragen beantwortet wie "wie fühlt sich sterben an?"
-
Mechthild Schroeter-Rupieper: Geht Sterben wieder vorbei? Dieses Buch geht ausführlich auf den Sterbe- und Bestattungsprozess ein (am Beispiel von Opa) und hilft, typische
Kindergedanken zu verstehen ("was bleibt vom toten Menschen übrig?"). Beantwortet auch uns Erwachsenen noch einige Fragen!
-
Alan Durant und Debi Gliori: Für immer und ewig Anhand einer gefühlvollen Tiergeschichte wird geschildert, wie es sich anfühlt, um ein (Wahl-)Familienmitglied zu
trauern. Auf viele Situationen übertragbar und mit schönen Erinnerungs-Impulsen.
für Kinder ab ca. 5 Jahre:
-
Louise Spilsbury und Hanane Kai: Weltkugel 9: Manchmal muss man Abschied nehmen. Alles über Tod, Trauer und Trost Die bisher 9 Bände der Weltkugel-Reihe finde ich generell sehr gelungen, da sie global wichtige (Tabu-)-Themen wie Krieg, Armut und eben auch Tod
kindgerecht, sachlich und vor allem auch sehr zeitgemäß an Kinder herantragen. In diesem Buch wird der Umgang mit dem Tod in verschiedenen Kulturen gezeigt. Wie laufen muslimische
Beerdigungen ab, wie sehen Särge in Ghana aus und was ist das mexikanische Totenfest? Außerdem legt die Autorin Wert darauf, viele unterschiedliche Familienkonstellationen zu zeigen und
zu betonen, dass Trauer bunt ist und es keine richtige oder falsche Trauer gibt. Alle Weltkugel-Bücher sind wunderschön illustriert und geben viel Raum zur
Identifikation.
für Kinder ab ca. 8 Jahre und Jugendliche:
-
Eric Wrede: Wenn wir ins Gras beißen - Das Buch vom Tod für große und kleine Menschen. Trost geben, Angst nehmen und Aufklärung - Mit Tipps für Eltern und
Bezugspersonen Ein ausführliches, sehr anschauliches und informatives Buch, das viele verschiedene Sterbe- und Bestattungs-Szenarien enthält. Wunderbar divers in leicht
verständlicher Sprache. Bestens geeignet für neugierige Kinder mit vielen Fragen.
-
Sarah Chavez (Autor), Annika Le Large : Wie ist das mit dem Tod? Ein Buch über Abschied, Trauer und Liebe: Ein Buch über Abschied, Trauer und Liebe Mit diesem Buch kann
jeder*r noch etwas lernen! Die Autorin ist Begründerin des Death Positive Movement und möchte dazu ermutigen, dem Thema Tod mit Neugier und Unbefangenheit zu begegnen. Ihre
positive Haltung wird in dem kreativ illustrierten Buch auf jeder Seite sichtbar. Es gibt sogar ein Glossar mit den wichtigsten Begriffen rund um den Tod und beantwortet auch Detailfragen,
z.B. zu Bestattung und Begräbnis.
-
ARD-Mediathek/KiKa: Checker Tobi: Der Leben- und Sterben-Check In dem bei Kindern beliebten TV-Format checkt Checker Tobi unter anderem, welcher Arbeit eine Bestatterin nachgeht,
was ein Friedhofsgärtner eigentlich macht, wie trauernde Kinder eine Trauergruppe besuchen und was ein sterbenskranker Mensch zum Thema zu sagen hat. Ich finde die Umsetzung der Episode sehr
gelungen, da ein kindgerechter und würdevoller Umgang mit den Themen vermittelt wird. Wie so viele Folgen auch für Erwachsene sehr sehenswert!
-
ARD-Mediathek/KiKa: Checkerin Marina: Der Friedhof-Check In dem bei Kindern beliebten TV-Format checkt Checkerin Marina unter anderem, wie ein Grab für eine Beerdigung
vorbereitet wird und was mit den Körpern von Verstorbenen unter der Erde passiert. Auch diese Folge zeigt, dass die kindliche Neugier vor keinem Thema Halt macht und dass es
durchaus möglich ist, den Themen Sterben und Tod auf unaufgeregte und spannende Weise zu begegnen. Wie so viele Folgen auch für Erwachsene sehr sehenswert!
für Erwachsene:
-
Tita Kern: Wie Kinder trauern Ein Buch zum Verstehen und Begleiten Mit diesem Buch lernen wir, uns in die Gefühls- und Gedankenwelt von Kindern zu versetzen und
bekommen hilfreiche Tipps für den Umgang mit trauernden Kindern nach einem modernen Traueransatz. Was mir besonders gefällt: Hier wird auch auf den Fall eingegangen, wie wir "misslungende"
Kommunikation nachträglich "wiedergutmachen" können.
-
Chris Paul: Ich lebe mit meiner Trauer Eine Art Standardwerk der Trauerliteratur. Trauer-Expertin Chris Paul erklärt sowohl wissenschaftlich als auch anhand von Praxisbeispielen welche
Facetten der Trauerweg beinhaltet, zeigt, dass Trauer bunt ist und dass es keine Schrittfolge zu absolvieren gibt, sondern jede Facette immer da sein kann. Trauer als gesunden Prozess zu
verstehen, der niemals bewältigt oder abgeschlossen werden muss und Trauerenden nahe zu bringen, dass es nicht darum geht, die Verstorbenen los zu lassen, bilden die Kernaussage des
(Sach-)Buches.
-
Podcast "Sounds familiar" Folge vom 15.5.2025: Trauerbegleitung: Wie spreche ich mit meinem Kind über den Tod? mit Sissi Rasche und Nina Weiß Wer lieber hört, statt liest,
bekommt hier hilfreiche und sensible Tipps für den Umgang mit trauernden Kindern. Die Trauerbegleiterin Nina Weiß beantwortet typische Elternfragen wie "Trauert mein Kind überhaupt?
Woran merke ich, ob mein Kind trauert?"
-
TV-Film (2024): Sterben für Beginner Dass die Themen Sterben, Abschiednahme, Tod, Bestattung und Trauer hier zwar emotional, aber gleichzeitig locker und originell erzählt werden,
liegt unter anderem daran, dass das Drehbuch auf der wahren Story des Berliner Bestatters Eric Wrede beruht, der an der Entstehung des Films mitwirken konnte.
Tod eines Elternteils
für Kinder ab ca. 3 Jahre:
-
Jackie Azua Kramer & Cindy Derby: Der Junge und der Gorilla Dieses Buch beeindruckt mehr durch seine Bilder als durch den minimalistischen Text (der aber auch sehr sensibel
ist). Der Tod einer jungen Mutter ist ein angstbesetztes gesellschaftliches Tabu, deshalb haben sich bisher kaum Autor*innen an diese Thematik herangetraut. Wenn jedoch dieser Fall in
einer Familie eintritt, ist es ratsam, den (kleinen) Kindern dieses Buch anzubieten um damit der Trauer Raum zu geben und gegebenenfalls auch Anreiz zu einem Gespräch zu schaffen.
-
Marion Hübinger: Eine Tüte voll Papa Die ruhige und klare Sprache und die ansprechenden Bilder laden dazu ein, mit (jüngeren) Kindern, die ihren Papa verloren haben, ins
Gespräch zu kommen. Trostmomente wie gemeinsame Rituale sowie Zusammenhalt in schweren Zeiten werden in diesem Buch erlebbar gemacht.
für Kinder ab ca. 8 Jahre und Jugendliche:
-
Roland Kachler: Wie ist das mit...der Trauer Es handelt sich hier um mehrere, in sich geschlossene Geschichten, die verschiedene Verlustsituationen aus Kindersicht schildern
(Großelten, Elternteil, Geschwister). Psychologe Roland Kachler (selbst ein trauernder Elternteil) gelingt es, alle relevanten Themen in anschauliche Geschichten umzuwandeln, die auch
Erwachsenen wichtige Denkanstöße geben ("Soll ich mein Kind mit zum sterbenden Opa ins Krankhaus nehmen?", etc.). Besonderen Fokus legt Kachler dabei auf die Gefühle aus Kinderperspektive. Im
letzten Kapitel gibt er Eltern hilfreiche Tipps, wie wir mit Kindern in Trauersituationen umgehen können und wie wir gesunde Trauer von Trauer, die professionelle Hilfe benötigt, abgrenzen
können.
Tod eines Geschwisterkindes / Sternenkindes
für Kinder ab ca. 3 Jahre:
-
Anna Koppri: Marlene wohnt im Himmel: Eine Geschichte für Geschwister von Sternenkindern Dieses einfühlsam erzählte Kinderbuch kann Familien beim Verlust
eines Geschwisterkindes (in einem späten Schwangerschaftsstadium) begleiten. Der Abschied und die Trauerfeier werden auf eine liebevolle Weise und einem modernen Traueransatz entsprechend
dargestellt (das verstorbene Baby wird z.B. aus dem Krankenhaus mit nach Hause gebracht). Der Opa in der Geschichte ist religiös, was aber nicht überfrachtend wirkt und die Chance zum
Gespräch mit dem Kind bietet ("was stellst Du Dir vor?"). Ergänzt wird die Geschichte durch einen Sachteil und weiterführende Links für zu den Themen Sternenkinder und Stille Geburt.
-
Lindsay Bonilla: Das Loch Hinter dem etwas hart klingenden Titel verbirgt sich eine empathische Geschichte für Familien, in denen ein Kind verstorben ist. Ein Junge, der
seinen verstorbenen Bruder vermisst, wird durch verschiedene Trauerphasen begleitet und zeigt, wie wichtig es ist, Unterstützung zuzulassen und gemeinsam zu trauern.
für Kinder ab ca. 8 Jahre und Jugendliche:
-
Roland Kachler: Wie ist das mit...der Trauer Es handelt sich hier um mehrere, in sich geschlossene Geschichten, die verschiedene Verlustsituationen aus Kindersicht
schildern (Großelten, Elternteil, Geschwister). Psychologe Roland Kachler (selbst ein trauernder Elternteil) gelingt es, alle relevanten Themen in anschauliche Geschichten umzuwandeln,
die auch Erwachsenen wichtige Denkanstöße geben ("Soll ich mein Kind mit zum sterbenden Opa ins Krankhaus nehmen?", etc.). Besonderen Fokus legt Kachler dabei auf die Gefühle aus
Kinderperspektive. Im letzten Kapitel gibt er Eltern hilfreiche Tipps, wie wir mit Kindern in Trauersituationen umgehen können und wie wir gesunde Trauer von Trauer, die professionelle Hilfe
benötigt, abgrenzen können.
für Erwachsene:
-
Podcast "Sounds familiar" Folge vom 20.11.2025: Fehlgeburt: Wie geht man mit dem Verlust um? mit Sissi Rasche und Dr. Wiebke Baller Was ich an dieser Podcast-Folge
sehr schätze, ist die sensible, authentische Schilderung, wie sich Eltern fühlen, wenn sie in der Schwangerschaft oder nach der Geburt ein Kind verlieren. Es geht auch darum, was den Eltern
in ihrer Situation helfen könnte und wie das Umfeld sie im Trauerprozess begleiten kann.
Tod durch Suizid
für Kinder ab ca. 4 Jahre:
-
Verena Gärtner, Melanie Gräßer, Annika Botved: Leben ohne Mama Maus. Ein Kinderfachbuch über Suizid in der Familie Mit Kindern über Suizid zu sprechen ist eine
besondere Herausforderung. Dies liegt nicht zuletzt daran, dass es uns extrem schwerfällt, diese Art des Todes zu begreifen bzw. nachvollziehen zu können. Was dieses Kinderbuch so
wertvoll macht, ist, dass es die Bedürfnisse der ganzen Familie abholt. Beginnend mit der Geschichte über Familie Maus, in der Mama Maus schließlich an der "DunklenWolkenKrankheit"
stirbt, geht es in Teil 2 um "Mäusetipps für starke Kinder" und im letzten Teil um "Infos und Hilfestellungen für große Mäuse". Hiervon profitieren nicht nur Familien, in denen ein Suizid
stattgefunden hat, sondern alle trauernden Familien, die sich kompetente Tipps und Erklärungen für Gespräche mit ihren Kindern wünschen.
für Kinder ab ca. 8 Jahre und Jugendliche:
-
Chris Paul, Suse Schweizer: Gelbe Blumen für Papa. Mit Kindern über Suizid sprechen Chris Paul wählt in ihrem bunt bebilderten Kinderbuch den Erklärungsweg über die
"Depressionskrankheit" (in diesem Fall des Papas). Sie schildert, wie Papa versuchte, gegen seine Krankheit zu kämpfen, aber irgendwann nur noch Unglück spürte und deshalb lieber sterben
wollte. An dieser Stelle eine Warnung für Menschen, die dieses Buch für ihre Familie in Betracht ziehen: Der Suizid wird zwar knapp, aber doch sehr explizit beschrieben, was
durchaus verängstigend wirken kann. Kinder sollten dieses Buch keineswegs alleine lesen und es sollte auch nicht "einfach so" im Bücherregal stehen. Unter Begleitung kann dieses Buch
aber sehr hilfreich sein für Familien, die nach Worten suchen, ihren Kindern (und sich selbst) eine unfassbare Situation erklärbar(er) zu machen.
Zum Schluss eine Empfehlung für alle Trauernden:
-
Groh: Du bleibst für immer in unseren Herzen. Das Trauer- und Erinnerungsbuch für Kinder und Familien Ein liebevolles Buch mit kreativen Anreizen, das Ihr
gemeinsam mit Kindern als Erinnerung an die verstorbene Person gestalten könnt. Auch ein empfehlenswertes Geschenk für trauernde Familien.